07.06.2012
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Das Ausbluten der Innungen

Die letzte Versammlung ist fünf Jahre her

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handwerk.com hatte im Februar dieses Jahres etwas ketzerisch gefragt: Sind Sie wirklich Mitglied einer Innung? Handwerksmeister Ewald Masjosthusmann beantwortete das so: "Ich bin schon sehr enttäuscht. Die letzte Versammlung ist (5?) Jahre her. Zum Jahreswechsel kommen einige Infos, die von anderen Innungen übernommen wurden oder längst 'alt' sind." Einen Vorteil sieht Masjosthusmann allenfalls für Ausbildungsbetriebe.

Gutes Stichwort. Denn zu den öffentlichen Aufgaben, die Innungen übernehmen, gehören die Prüfungen der Azubis. Und obwohl der Organisationsgrad rückläufig ist und entsprechend weniger Beiträge fließen, bleiben die Kosten bestehen. Kreishandwerksmeister Kluth kommentiert das in den HAN so: "Unsolidarisch, aber wohl ein Trend der Zeit." Als Solidargemeinschaft könnten Betriebe viel mehr erreichen: "Aber wenn man heutzutage irgendwo etwas sparen kann, wird das auch gemacht."

Was leistet Ihre Innung? Oder was leistet Ihre Innung nicht? Warum sind Sie Mitglied einer Innung? Oder warum nicht? Schreiben Sie uns , wir sind auf Ihre Sicht der Dinge gespannt.

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9 Kommentare zu "Das Ausbluten der Innungen "

  1. Stephan Ankert - 24.07.2012, 15:06 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Noch vor drei Jahren habe ich diese Meinung vertreten: Warum für soll ich die Mitgliedbeträge so viel Geld ausgeben? Aufträge haben wir auch ohne Mitgliedschaft genug! Heute sind wir mit unserem Unternehmen gleich in zwei Innungen. In der Tischlerinnung und neuerdings auch in der Parkettinnung. Ich sehe einfach die Vorteile einer Mitgliedschaft: Vergünstigungen bei überbetrieblichen Lehrgängen oder verbandseigenen Seminaren. Verbandseigener fachtechnischer Beratungsdienst. Erfahrungsaustausch mit Innungskollegen bei Innungsveranstaltungen. Ein Problem ist vielleicht der Altersdurchschnitt. Der ist – um es mal vorsichtig auszudrücken – bei Innungsversammlungen etwas höher als das Durchschnittsder DFB-Auswahl. In 5-10 Jahren könnte das für erhebliche Probleme sorgen, Handlungsbedarf dürfte in vielen Innungen vorhanden sein. Zum Thema Neumitglieder: Ich würde die Betriebe immer wieder zu interessanten Fachvorträgen einladen. Da werden die Vorteile sofort klar.

  2. Andreas Bierich - 18.07.2012, 13:26 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Man darf nicht darauf hoffen, dass die Betriebe von selbst kommen und in die Innungen eintreten. Wir beschäftigen in der Kreishandwerkerschaft Region Braunschweig-Gifhorn deshalb einen Mann, der aktiv Betriebe anwirbt. Sein Dienstauto: Ein Polo, auf dem die Imagekampagne des ZDH aufgedruckt ist, den Wagen erkennt man sofort. Das ist sehr erfolgreich. Wir haben verschiedene Anreize entwickelt. So wie die Metro für jeden neuen Kunden 50 Euro auslobt, haben wir die Aktion „Handwerker werben Handwerker“. Wer einen Kollegen wirbt, bekommt ebenfalls 50 Euro. Dann gibt’s Fußballkarten zu gewinnen für die Top-Clubs in unserer Gegend: für Eintracht Braunschweig und den VfL Wolfsburg. Wir haben seit dem 1. April neue 19 Mitglieder! Und 2011 hatten wir zum ersten Mal seit Jahren keine Rückgänge bei den Mitgliederzahlen, sondern einen Zuwachs von einem Prozent. Das ist ein echter Erfolg, wenn die Zahlen immer im Minus waren. Natürlich zählen letztlich die Inhalte. Im Internet gibt’s heutzutage fast alles, aber die fachlichen Informationen der Verbände sind für die Betriebe extrem wertvoll. Das gilt auch für die Fachvorträge auf Veranstaltungen. Von Fragen zum Arbeitsrecht bis zu Problemen mit dem Verpächter – unsere Rechtsberatung wird von den Innungsbetrieben gerne genutzt. Wir haben außerdem eine Inkasso-Stelle, die Forderungen einzieht. Gute und weniger gute Leute gibt es natürlich überall. Im Bundestag, in den Finanzämtern, in Zeitungsredaktionen – und auch im Ehrenamt, also bei den Obermeistern. Aber der Erfolg einer Innung ist auch von den Betrieben selbst abhängig, die Leute müssen ihrem Obermeister sagen, was sie benötigen, was gut ist und was weniger gut läuft. Unsere Obermeister sind da sehr aktiv und haben ein offenes Ohr – und das zieht dann wiederum die Betriebe mit.

  3. Hans Krauß - 16.06.2012, 14:40 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Das Innungsleben ist genauso zu sehen, wie eine Firma. Wenn die Leitung durch den Obermeister, den Vorstand und der Geschäftsführung nicht stattfindet, ist die Innung tot. Wie eine Firma. Wenn der Chef die Zügel nicht straff - und das ununterbrochen - in der Halt hält, scheitert die Firma. Man muss als Unternehmer seine Ware nicht ausschließlich nur verkaufen, sondern in erster Linie muss man erst einmal den Kunden von sich, seiner Firma und seinen Produkten überzeugen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Und so ist das auch in einer Innung. Der Obermeister muss ein charismatischer Mensch sein, der begeistern und überzeugen kann. Der die Mitglieder motiviert und mitzieht. Wenn ein Fernsehprogramm langweilig ist, zappt man weiter oder macht das TV aus. Wenn die Innungsarbeit langweilig ist, verabschieden sich die Mitglieder. Ein Innungsleben kann und muss interessant und abwechslungsreich gestaltet werden. Man muss die für die Mitglieder wirklich interessanten Themen erkennen, auffangen, bearbeiten und in die Köpfe transportieren. Das ist nicht immer einfach und bedeutet einen enormen Kraftaufwand mit einem dicken Fell. Aber es lohnt sich. Wir, die Tischler Innung Köln, haben faktisch so gut wie keinen Mitgliederschwund und freuen uns jedes Jahr über neue Mitglieder. Wir haben aber auch einen überdurchschnittlich engagierten Vorstand und eine hervorragende Geschäftsführung, auf die ich als Obermeister enorm stolz bin. Mir macht mein Ehrenamt sehr viel Spaß und es bereichert mein Leben.
    Herzliche Grüße aus Köln, Hans Krauß

  4. Richard Schildgen - 11.06.2012, 14:23 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Ich kann nicht verstehen, warum es Kollegen gibt, die nicht "organisiert" sind. Hört sich erst einmal an, als wäre das etwas Verwerfliches, ist es aber nicht. Eine Fussballmannschaft ist ein Zusammenschluss von Gleichgesinnten, die, wenn alle mitarbeiten, auch erfolgreich sind. Das ist fast immer so. Nur in der Gemeinschaft kann man Ziele erreichen. Wer kann von sich behaupten, alles alleine erreicht zu haben? Bitte melden! In unserer Innung (Elektroinnung Köln) sind viele Gleichgesinnte, die sich regelmäßig treffen und ihre Erfahrungen untereinander austauschen. So brauche ich mir z.B. eine technische Lösung nicht vollständig zu erarbeiten, wenn ein passender Rat aus der Kollegenschaft kommt. Neuerungen werden bei uns über Seminare vermittelt, Eilmeldungen per E-Mail verschickt. Die Ehrenamtlichen kümmern sich um Normen, Tarife, Ausbildung, etc., damit der Motor Handwerk rund läuft. Und dazu zählen auch die nicht organisierten Betriebe. Wenn die Innung mehr Mitglieder hätte, würde auch der Einfluss der Innungen steigen. Dann hätten sich vielleicht die Elektroinstallateure nicht von der GEZ "vergewaltigen" lassen brauchen, weil sie im Besitz eines "Rundfunkempfängers" waren und dafür GEZ-Gebühren zahlen mussten (ein Antennenmessgerät erfüllt zwar die Kriterien eines Rundfunkempfängers, doch wer guckt auf einem 3,5 Zoll Monitor schon, auf dem Giebel sitzend, "Vom Winde verweht", am besten in der langen Version). Mit entsprechend vielen Mitgliedern hätte man mehr Öffentlichkeit gehabt. Jeder, der über die Innung schimpft, ist aufgefordert, dort mit zu arbeiten. Jeder Tipp ist gold wert. Wir schaffen uns mit unserem Einsatz das Umfeld, in dem wir arbeiten (dürfen oder müssen). Es grüßt aus Köln Richard Schildgen

  5. Bartsch Klaus - 11.06.2012, 13:34 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Es sind nicht allein Innungen, die über so genannten Mitgliederschwund klagen, es ist vielmehr eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, die auf viele Organisationen, unter anderem auch politische Parteien zutrifft. Vielleicht liegen die Ursachen in der Individualisierung der Gesellschaft, vielleicht auch darin, dass die Probleme heute komplizierter erscheinen. Möglicherweise ist aber auch der Anspruch an die freiwillige Organisation Innung zu hoch. Als Obermeister einer Innung frage ich Kollegen, warum sie nicht Mitglied der Innung sind. Auf die Frage, "Wer wenn nicht wir selbst, soll politische Interessen formulieren und vertreten" haben Nichtmitglieder meist keine Antwort. Aber gerade in einer Zeit in der vieles tatsächlich komplizierter wird kommt es gerade darauf an einig und geschlossen aufzutreten. Es ist bedauerlich, dass Interessengruppen wie Innungen heute zu wenig als politisches Instrument aber auch zur Identifikation "Ich bin stolz diesem Handwerk anzugehören" wahrgenommen werden.

  6. Jürgen Jobmann - 11.06.2012, 12:43 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Tatsächlich gibt es einen Mitgliederschwund, ausbluten würde ich dazu sagen, wenn alle unzufrieden wären und sich anderweitige Unterstützung suchen würden, Tatsächlich gibt es heute in unserer Branche wesentlich weniger Betriebe (Frankfurt 1960 - 585 eingetragene Malerbetriebe, Frankfurt 2012 - 283 eingetragene Malerbetriebe). Auch sind die beschäfftigten Zahlen teilweise über 10 Jahre rückläufig, ca. 60.000 Beschäfftigte weniger als 1996. Es ist ein Strukturwandel, das gab es schon oft, die Innungen deshalb komplett in Frage zu stellen ist wahrscheinlich etwas zu kurzfristig gedacht. Die Handwerksnoveliierung 2004 hat sicher nicht positiv dazu beigetragen und es gibt viele Gewerke die darunter extrem leiden.
    Gäbe es keinen Innungen, würden wir welche Gründen, wir würden diese Vereinigungen nicht Innung oder Zunft nennen, irgendwie anders, wir würden uns wahrscheinlich nicht auf ein konkretes Gebiet bzw. einen Beruf alleine beschränken, aber die Betriebe würden sich zusammenfinden. Nur in einer Gemeinschaft kann man oft mehr erreichen. Die Innung ist kein Amt und keine Behörde, es ist der Zusammenschluss Selbstständiger Betriebe und deren Mitarbeiter (deshalb ist es KEIN Arbeitgeberverband, die Mitarbeiter können im Gesellenausschuss mitreden und entscheiden) und jeder der seine Innung kritisiert, ist eigentlich aufgerufen, mit anzupacken. In unserer Innung finden viele Veranstaltungen zu verschiedenen Themen statt, es gibt viele Informationen zu allen berieblichen Fragen, ich hoffe, das alle Mitglieder unserer Innung dies auch genau so sehen. Obermeister

  7. Melanie Bernhardt - 11.06.2012, 09:15 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Die Mitgliedschaft in einer Innung bringt viele Vorteile. Der Austausch mit den Kollegen, Seminare, Weiterbildungsmöglichkeiten etc. sind wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Aber auch hier in Frankfurt gibt es das Problem der schrumpfenden Innugsmitgliederzahlen. Ich denke oft liegt es daran, dass jüngere Handwerkskollegen, die Innungen nicht als zeitgemäß empfinden. Auch fehlt die Zeit, das Engagement und auch der Mitgliedsbeitrag schreckt manche ab. Es ist schwer gegen zusteuern, aber wir bleiben natürlich dran.

  8. Frank Schöne - 08.06.2012, 09:31 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Es liest sich brutal, was Sie da schreiben. Aber unsere Innung beweist, dass es auch anders geht. In Zeiten stagnierender oder stetig sinkender Mitgliederzahlen hat die Dresdner SHK-Innung einen Mitgliederzuwachs von über 50 Fachbetrieben. Damit ist die Mitgliederzahl auf knapp 200 angewachsen. Die Erfolgsfaktoren: aktive Mitgliederwerbung bei den Handwerksbetrieben vor Ort, das Leistungspaket der Innung, eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Bezirksobermeistern, Mitgliedern und Geschäftsstelle sowie die Kooperation mit der Industrie, dem Handel und der Berufsausbildung. Und nur ein weiteres Beispiel: die monatliche Innungsinformation zu aktuellen Themen, Rahmenverträgen, Bonusvereinbarungen, Schulungsmaßnahmen, Industriepräsentationen in der Berufsschule – neueste Trends und Entwicklungen für Handwerksmeister und deren Mitarbeiter, Beratung durch zwei Anwaltskanzleien, Öffentlichkeitswerbung, Teilnahme an Messen, und Betreuung der Betriebe durch die Geschäftsstelle. Und dann die Lehrlingsausbildung. Es gibt so viele Hebel, an denen Innungen ansetzen können, da geht immer was. Gemeinsam sind wir stärker!

  9. Newrzella, Sabine - 07.06.2012, 21:15 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Hallo, wir sind zwar in Köln ansässig, aber auch hier purzelt die Zahl der Innungsmitglieder leider häufig durch Betriebsschließungen. Ich arbeite erst seit einigen Jahren im Handwerksbetrieb meines Mannes mit und kam als späte Quereinsteigerin als Branchenfremde ins Unternehmen. Hätte ich nicht so viel und ganz besonders kompetente Untertützung durch die Bäckerinnung Köln erfahren, wüßte ich nicht wo ich heute mit meinem Wissensstand wäre. Es werden alle erforderlichen Dinge weit über das normale Maß hinaus betreut. Das investierte Geld in den Innungsbeitrag hat sich mehr als nur bezahlt gemacht. Solch eine tolle und aktive Innung wünschen wir allen Handwerksbetrieben. Mit freundlichen Grüßen Sabine Newrzella