Mediendruck
Betrieb landet wegen 27,60 Euro in der Zeitung
Weil eine Rechnung angeblich zu hoch ausgefallen ist: Wie würden Sie reagieren, wenn eine Tageszeitung Sie in die Schlagzeilen hievt? Einem Berliner SHK-Meister ist das passiert.
Die BZ ist ein bekanntes Berliner Boulevard-Blatt. Und mit
dieser Schlagzeile
hat sich die Zeitung jetzt selbst gelobt: "Dank B.Z. repariert Handwerker preiswerter." Die Ersparnis: stolze 27,60 Euro.
Der Handwerker aus der Schlagzeile heißt Olaf Mende. Sein erster Gedanke nach der Lektüre des BZ-Artikels: "Rufe ich jetzt meinen Rechtsanwalt an oder nicht?"
Die Vorgeschichte: Eine ältere Dame hatte den SHK-Betrieb um Hilfe wegen ihrer Waschmaschine gebeten. War das Gerät selbst defekt? Lag es am Zu- oder Ablussanschluss? Der Fehler ließ sich am Telefon nicht lokalisieren, sagt Mende. Das Angebot des Betriebs: Ein Mitarbeiter geht den Ursachen vor Ort auf den Grund. Die Kosten für den Prüfauftrag: 20 bis 30 Euro.
In der BZ liest sich das so: "Sie ruft bei der alteingesessenen Firma an […] und fragt, was ein neuer Anschluss in etwa kostet. ‚So 20 bis 30 Euro‘, sagt ein Mitarbeiter am Telefon.“
Den Schaden, den sein Mitarbeiter vor Ort beheben musste, sah nach Mendes Darstellung so aus: "Der Abflussschlauch war durch ein offenes, loses Tauchrohr bis in die Wand hinein gesteckt worden, Coroplast-Klebeband hielt das Werk zusammen." Für die Reparatur musste der Mende-Mitarbeiter ein Ersatzteil besorgen (Geruchverschluss mit oberem Geräteanschluss), alle Arbeiten waren mit der 72-Jährigen abgesprochen, der Material- und Stundennachweis wurde von ihr quittiert.
Die BZ schreibt: "Frau Mohr bekommt die Rechnung und glaubt, ihren Augen nicht zu trauen: ‚Nun soll ich statt maximal 30 Euro auf einmal 87,60 Euro bezahlen.‘“
Die ältere Dame schaltet die BZ ein, eine BZ-Mitarbeiterin ruft Mende an. "Sie hat mich gefragt, ob wir uns auf 50 Euro einigen könnten, ich habe dann 60 Euro angeboten. Da steht man mit dem Rücken an der Wand, jedes falsche Wort könnte am nächsten Tag in der Zeitung stehen.“
Es ist übrigens erst ein halbes Jahr her, dass Mendes Betrieb positiv in den Medien dargestellt wurde. Einer seiner Monteure war in eine "Fernsehfalle getappt“, der Fernsehsender Sat1 hatte die Reparatur defekter Thermen geprüft: "Unser Betrieb hat damals sehr gut abgeschnitten, unser Monteur hatte den Fehler als einziger beseitigt ohne Material berechnen zu müssen.“
Und dennoch: Der aktuelle BZ-Artikel ärgert Mende, weil er "letzlich an der Wahrheit vorbeischlittert“. Auch wenn es nur um 27,60 Euro geht.
(sfk)

2 Kommentare zu "Betrieb landet wegen 27,60 Euro in der Zeitung"
Ich sehe das anders: Hier geht´s nicht um 27,60 Euro, es geht um den guten Ruf eines Handwerkers und das Image unseres ganzen Standes. Leider würde auch das Einschalten des Anwaltes und sogar die Klarstellung in der Presse nichts ändern: In den Köpfen der Leute hat doch da schon wieder ein Handwerker alte Leute betrogen. Mir ist nicht klar, warum die Medien so etwas machen: Jeder Neunte Erwerbstätige in Dtld ist im Handwerk beschäftigt. Das sind doch Leser und Zuschauer! Natürlich gibt´s schwarze Schafe, aber der Großteil der Handwerker verdient sich seine Brötchen mit guter Arbeit. Das ist aber keine Meldung wert und wird von den Medien verschwiegen. Also, wir Handwerker sollten wenigstens Aufkleber auf´s Auto bappen und die Imagekampagne unterstützen. Willkommen im Zentrum der deutschen Wirtschaft! ( www.handwerk.dedie-wirtschaftsmachtkampagne.html )
Als Handwerker kann man leichter in den Schlagzeilen landen. Man braucht nur den Wunsch zu haben, aus der Handwerkskammer auszutreten. Dann hält man die Beitragsrechnung der HWK zurück. Wenn man sich lange genug weigert, erhält man die Androhung eines Haftbefehls. Damit geht man zur Presse und hat die schönsten Schlagzeilen.