Hohe Durchfallquote bei der Abschlussprüfung
"Azubis sind wie Wein"
26 Azubis in der Gesellenprüfung - 23 fallen durch. Wie kann das passieren? Die zuständige Kreishandwerkerschaft hat eine einfache Erklärung: Lehrlinge sind wie Wein - es gibt gute und schlechte Jahrgänge. Kann das sein?
Die Lehrlings-Ernte muss wohl sehr schlecht ausgefallen sein im Bereich Neubrandenburg/Neustrelitz: Denn von 26 Bäcker-Azubis haben dort nur drei die Abschlussprüfung 2011 bestanden. Damit lag die Durchfallquote bei 88 Prozent.
Vorwurf: Azubis wurden ausgetrickst
Da sprießen natürlich die Gerüchte, wie der Nordkurier berichtet: In der praktischen Prüfung sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen, Brötchen seien verschwunden.
Die Bäckereien wollten sich so wohl billige Arbeitskräfte sichern, mutmaßt gar die Oma eines durchgefallenen Azubis.
Oder lag es an praktischen Schwächen?
Eine Vertreterin der Kreishandwerkerschaft Mecklenburg-Strelitz-Neubrandenburg sieht das etwas anders: Es komme wohl vor, dass sich mal ein Azubi in der Prüfung beim anderen bediene.
Doch das eigentliche Probleme bestehe darin, dass Azubis heute nicht nur in der Theorie schwach seien, sondern auch in der Praxis. Dabei könnten doch gerade Bäcker prima zu Hause üben.
"Lehrlinge sind wie Wein"
Kann das nicht auch an den Lehrern und Betrieben liegen? Diese Möglichkeit schließt die Kreishandwerkerschaft aus: Es gebe zwar Schwankungen bei der Durchfallquote, doch Lehrer, Betriebe und überbetriebliche Ausbildungsstätten seien ja immer die gleichen.
Nur mit den Azubis sei es eben "wie beim Wein: Es gibt gute und schlechte Jahrgänge“.
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2 Kommentare zu ""Azubis sind wie Wein""
Endlich mal ein Prüfungsausschuss der die Realität abbildet und nicht mit viel "Good will" auch noch den letzten Durchfallkandidaten mit einer schlechten 4- bestehen lässt. Wie oft habe ich bei uns in den Prüfungen erlebt, dass das praktische Werk keinerlei fachlichen oder gestalterischen Ansprüchen entsprach und der Prüfling dann doch mit einer schlechten vier bestanden hat. Was ist dann die Folge die der Junggeselle daraus lernt? Auch mit einer augenscheinlich schlechten Leistung erfülle ich das Ziel. Nur leider ist nach der Prüfung allein der Kunde dafür verantwortlich die Arbeit zu bewerten und schlussendlich zu bezahlen. Und dieser wird sicher keine Schlechtleistung abnehmen. Woran liegt das, dass Azubis in einer werdenden Mehrzahl so ausbildungsresisdent sind? Elternhaus, Schule, Lehrer, Gesellschaft? Die Gründe sind vielschichtig und wir als Ausbildungsbetriebe können es nicht leisten die Defizite in Respekt, Freundlichkeit, Motivation auszugleichen. Schon bei den Bewerbungen und den daraus folgenden Bewerbungsgesprächen müssen wir Jahr für Jahr feststellen, dass viele nicht ausbildungsfähig sind. In diesem Jahr habe ich, nach dreijähriger Pause wegen fehlender Ausbildungfähigkeit der Bewerber, wieder einen Azubi eingestellt und bin endlich mal wieder voller guter Hoffnung, dass dieser nach drei Jahren ein "guter" Geselle werden kann. Ich bilde für meinen Nachwuchs aus und zur Zeit habe ich große Angst um genau diesen Nachwuchs und damit unsere Zukunft. Lösungen hierfür habe ich leider auch nicht und stehe jedes Mal wieder voller Verzweifung vor Bewerbungen und Kandidaten die einfach nicht ausbildungsfähig sind. Der viel besagte Ruck, der gerade bei unser Bildung und in der Gesellschaft durch unser Land gehen müsste ist überfällig aber leider nicht in Sicht. Kollegiale Grüße, Martin Möller
Schlechte Schüler oder Auszubildende auf einen bestimmten Jahrgang zu pauschalieren, halte ich für falsch. Vielmehr liegt es doch an jedem Azubi selbst, ob und wie er die Prüfung besteht. Das hängt ganz stark von seiner eigenen Persönlichkeit, Motivation und Interesse am Beruf ab. Wir leben in einer Konsumgesellschaft und beobachten, dass der Azubi als erstes einmal seinen Stundenlohn ausrechnet, was ihn natürlich frustriert. Die Zeiten haben sich geändert und früher hat sich ein Azubi über sein erstes selbst verdientes Geld gefreut, auch wenn es noch so wenig war. Dass das Lehrlingsgehalt keine Entlohnung für geleistete Arbeit sein kann, sondern allenfalls eine kleine oder größere Aufwandsentschädigung, versteht sich von selbst. Früher musste man sogar "Lehrgeld" bezahlen, um ausgebildet zu werden. Wir stellen allgemein und auch im Umfeld bei anderen Ausbildungsbetrieben fest, dass die antiautoritäre Erziehung der letzten Jahrzehnte und die verstärkte Berufstätigkeit beider Elternteile sich dahingehend negativ auswirkt, dass wenig Disziplin und Motivation bei den jungen Leuten zu finden sind. Die versäumte Erziehung in der Ausbildung nachzuholen, ist ein mühsames Unterfangen und geliingt nur bedingt. Aus einem MP3-Player und Handy abhängigen Schüler einen verantwortungsvollen Gesellen zu machen, das ist eine richtige Herausforderung für jeden Betrieb und gelingt nur, wenn der Azubi dazu auch bereit ist. Hat er jedoch nur Party im Kopf, dann wird er einer der Gesellen werden, die vorwiegend bei Arbeitsüberlassungsfirmen als Leiharbeiter unterkommen. Wenn der Azubi wittert, dass er nach der Ausbildung vom Betrieb nicht übernommen wird, ist es schon sehr oft vorgekommen, dass er sich absichtlich durch die Prüfung fallen läßt oder per Krankmeldung erst gar nicht erscheint und noch ein halbes Jahr oder gar ein ganzes Jahr im Betrieb geduldet werden muss. Selbstverständlich wird die Schuld dann auch auf unzureichende Ausbildung geschoben. Jeder selbst ist seines Glückes Schmied.