Struktur
Ausbildung ohne Umwege
Ausbilden kostet Zeit, Geld und Nerven. Wer die Ausbildung strukturiert, schont Ressourcen und ist für die Zukunft gewappnet. So funktioniert es.
Das neue Ausbildungsjahr hat für den Chef der Firma Bürgel in Nienburg anders begonnen als gewohnt. Ein Auszubildender aus dem zweiten Lehrjahr hat Aufgaben übernommen, die sonst Chefsache waren. „Das betrifft beispielsweise den ersten Rundgang durch den Betrieb und die Einweisung in die Bedienung von Maschinen und Werkzeugen“, berichtet Eberhard Bürgel.
Auf die Idee für die Patenschaft hat ihn die Handwerkskammer Hannover gebracht. Im Frühjahr hat der SHK-Unternehmer gemeinsam mit seinen Gesellen und dem älteren Azubi Seminare besucht. Titel der Veranstaltungen: "Gesellen als Ausbilder – Anleiten üben" und "Azubi-Tandem, Auszubildende begleiten Auszubildende". Das Ergebnis waren viele neue Erkenntnisse zum Thema strukturierte Ausbildung – beim Chef und bei seinen Mitarbeitern.
"Das Ziel unseres Projekts ,Im Lot!‘ ist die Kommunikationsförderung", sagt Bettina Wolf-Moritz von der Kammer Hannover. Eine Struktur in der Ausbildung sei das A und O für Zufriedenheit auf beiden Seiten. "Individuelle Förderung schafft auch Ausbildungsqualität", betont Wolf-Moritz. Nicht zuletzt verhindert intensive Kommunikation miteinander auch Ausbildungsabbrüche. Zur ,Vorbeugung‘ hat die Kammer Dokumente entwickelt, die als Grundlage für Gespräche dienen. "Wichtig ist, dass es feste Termine gibt. Dann werden Problemchen nicht zu Problemen", betont Wolf-Moritz.
Eines ihrer Hauptanliegen sei, dass es "kleine Pflichten auf allen Seiten" gibt: Chef, Geselle und Lehrling tragen ein Stück zum Gelingen bei. Abmachungen sollten schriftlich fixiert und bewusst kontrolliert werden. Für den Ausbilder gilt: "Er muss seiner Fürsorgepflicht nachkommen", sagt Wolf-Moritz. Der Auszubildende nehme ihn nicht ernst, wenn er floskelartig nachfrage, aber offensichtlich kein Interesse an dem Azubi hat.
Positives Feedback auf Azubi-Tandem
Auf sein neu eingerichtetes Azubi-Tandem hat Handwerksmeister Bürgel positives Feedback bekommen. „Es hat bei den ,Neuen‘ Hemmschwellen abgebaut“, berichtet er. Es falle den Lehrlingen leichter, erst einmal Gleichaltrigen Fragen zu stellen. Bürgels zehn Azubis und die anleitenden Gesellen nutzen auch die sogenannten „Beurteilungshefte“, die ihnen die Kammer zur Verfügung stellt. „Das ist zwar erst mal mehr Schreibkram auf beiden Seiten, aber der lohnt sich“, sagt der Chef von insgesamt 37 Mitarbeitern. Die Ergebnisse der Bewertungen nutzt Bürgel für den täglichen Umgang mit seinen Lehrlingen. „Stuft sich jemand schlechter ein, als er wirklich ist, schließe ich darauf, dass sein Selbstbewusstsein gestärkt werden muss“, sagt er. Das beachte er anschließend, wenn er neue Aufgaben verteilt.
Auch die Gesellen, die auf der Baustelle mit den Lehrlingen zu tun haben, lernen durch das Projekt ständig hinzu. „Sie haben begriffen, dass sie Anweisungen präzise formulieren müssen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.“ Dadurch, dass in dem Nienburger Betrieb drei Generationen arbeiten, herrscht ein respektvoller Umgang. „Auch die Ausbilder überprüfen jetzt ihr Verhalten gegenüber den Jüngeren“, berichtet der 55-Jährige. Für ihn dienen die Dokumente der Handwerkskammer als „Leitfaden“. Zusätzlich habe er gemeinsam mit seiner Frau Punkte erarbeitet, die noch spezifischer auf den eigenen Betrieb zugeschnitten sind.
Für die Projektverantwortliche Bettina Wolf-Moritz steht klar im Vordergrund, dass die Ausbildung in den Betrieben „rund läuft“. „Leider wird viel zu wenig miteinander gesprochen. Kommunikation ist eine wichtige Basis für eine funktionierende Ausbildung“, sagt sie.
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